Folge 3. Multipler Wettbewerb: Sozialisationsprozesse in der Post-doc-Phase

Shownotes

Zuhörer:innen erfahren viel über die Strategien, mit denen Postdocs versuchen, sich im multiplen Wettbewerb zu orientieren und handlungsfähig zu bleiben. Zugleich wird deutlich, wie sie selbst ihre Rolle als Wettbewerbsakteure wahrnehmen. Die Folge zeichnet dabei auch ein eindrückliches Bild der nicht immer positiven Folgen multiplen Wettbewerbs wie Stress, Erschöpfung und Unsicherheit – mit empirisch identifizierbaren Auswirkungen auf ihre Karriereentscheidungen.

Julian Hamann ist Junior Professor für Hochschulforschung an der Humboldt Universität zu Berlin. Kathia Serrano Velarde ist Professorin für Politische Soziologie an der Universität Heidelberg. Beide haben in der ersten Förderphase der DFG-Forschungsgruppe "Multipler Wettbewerb im Wissenschaftssystem" das Teilprojekt "Wie entstehen wettbewerbsfähige Akteure? Sozialisationsprozesse in der Post-doc-Phase" geleitet. In der zweiten Förderphase widmen sie sich gemeinsam mit ihren Teams den Perspektiven der "Internationalität im Wettbewerb: Fremdheit und Übersetzung in Postdoc-Karrieren".

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00:00:11: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts zum multiblen Wettbewerb im Hochschulsystem.

00:00:17: Mein Name ist Martin Wiarda, ich bin Journalist für Bildung und Wissenschaft und ich habe einen spannenden Auftrag!

00:00:23: Ich darf mich mit wechselnden Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern mit einem Phänomen auseinandersetzen – das nicht nur aber gerade auch das Hochschulsystem prägt dem Wettbetrieb in all seiner Komplexität.

00:00:37: Individuelle Kollektive Akteure, die auf mehrfache Weise miteinander konkurrieren, aber mitunter zugleich auch zusammenarbeiten.

00:00:46: Die Wettbewerbstrategien haben die Miteinander und Gegeneinander laufen – mit Intendierten und vielfach auch mit nichtintendierten Folgen!

00:00:55: Und um deren Erforschung geht es auch in der Arbeit der DFG-Forschungsgruppe multibler Wett Bewerb.

00:01:01: Deren erste Förderphase ist zu Ende.

00:01:03: Die zweite Förderweise läuft mit Forscherinnen und Forschern aus der Soziologie der Volkswirtschaft und der Betriebswirtschaftslehre.

00:01:11: insgesamt neun Teilprojekte an neuen Universitäten.

00:01:15: Diesmal geht es um Postdoc-Karrieren, um die Frage wie junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Wettbewerb hinein sozialisiert werden Und es geht um die Rolle von Internationalität in Postdoc Karrieren.

00:01:27: Ich begrüße Kathia Serrano, Professorin für politische Soziologie an der Universität Heidelberg, und Julian Hamann, Professor für Hochschulforschung zu Berlin.

00:01:39: Hallo zusammen!

00:01:46: Ja, bevor wir einsteigen mit dem eigentlichen Thema würde mich zunächst einmal interessieren dieser Fokus auf dem Thema Postdoc inwiefern?

00:02:01: Frau Serrano Herr Hamann hat das auch vielleicht damit zu tun dass sie selber vor nicht allzu langer Zeit Postdocs waren oder Herr Hamann, glaube ich als Junioprofessor auch noch ein Stück weit ist.

00:02:12: Inwiefern kann man sagen das hat auch ihr Erkenntnis Interesse motiviert Frau Serrano?

00:02:21: Ja tatsächlich habe ich selber einen Postdoc natürlich gemacht aber zu einer Zeit in denen man eigentlich eine viel kürzere Zeit eigentlich verweilte auf Postdoc-Stellen.

00:02:31: Und das hat sich mittlerweile extrem verändert, weil die Leute eben halt nicht nur ein oder zwei Jahre auf postdoc Stellen unterwegs sind bevor sie wirklich den Eintritt ins wissenschaftliche Karriere leben im Sinne einer Tenure Stelle oder einer Stelle mit Blick auf tenure auch annehmen sondern öfters mal drei, vier, fünf bis zehn Jahre auf diesen Stellen verweilen.

00:02:55: Und wir haben tatsächlich auch Menschen interviewt sie seit fünfzehn Jahren Postdoc sind.

00:03:01: Herr Hamann?

00:03:04: Also mein Erkenntnis Interesse an dem Projekt ist glaube ich schon ein bisschen grundlegender motiviert.

00:03:09: also ich forsche länger über wissenschaftliche Karrieren und Bewertungen Ich habe auch mal zu Berufungsverfahren zum Beispiel geforscht.

00:03:16: aber es ist schon so dass Während des Projekts es einige Aha-Momente gab in den Interviews, die wir geführt haben.

00:03:24: Wo ich dachte das kommt mir jetzt bekannt vor so ging's mir auch und da war der Wiedererkennungswert sozusagen schon sehr hoch weil genau man diese Phase natürlich vor nicht allzu langer Zeit selbst durchgemacht hat und für ähnliche Herausforderungen stand.

00:03:37: Dann lassen sie uns mal ein bisschen tiefer einsteigen.

00:03:39: Sie haben mit weiteren Kolleginnen und Kollegen in der ersten Förderphase das Teilprojekt Sozialisationsprozesse in der Postdoc Phase verantwortet.

00:03:49: Da lautet die ihre Hauptforschungsfrage, wie entstehen wettbewerbsfähige Akteure?

00:03:55: und ich habe da sofort zutal viele Fragen.

00:03:57: was heißt überhaupt wett bewerbsfähig?

00:03:59: Was heißt hier Akteur?

00:04:01: aber erzählen Sie doch vielleicht erstmal kurz etwas zur Anlage des Projekts.

00:04:06: was genau haben sie da gemacht?

00:04:09: Frau Serrano

00:04:11: Ich kann gerne anfangen, Julian du ergänzt.

00:04:14: Wir sind eigentlich in der ersten Förderphase auf die Leute zugegangen und haben versucht uns einen Langschnitt tatsächlich zu erarbeiten indem wir und der modernen Geschichte über mehrere Jahre begleitet haben.

00:04:37: Wir haben so was wie ein qualitatives Panel erstellt, das heißt wir haben diese Menschen in neun bis zwölf Monatsabschnitten immer wieder neu interviewt mit Fragen die natürlich karrierelevant sind.

00:04:48: also was für Karriereentscheidungen stehen an?

00:04:51: Wie blickst du auf Karrieren Entscheidungen zurück?

00:04:53: Was sind so Momente des Erfolgs oder des Scheiterns, die du in der letzten Zeit mitgemacht hast?

00:04:59: Und das alles natürlich in der Hoffnung zu verstehen, wie sich diese Entscheidungen auch über die Zeit verändern.

00:05:05: Welche neuen Faktoren mit reinkommen denn?

00:05:07: Das Problem der derzeitigen Forschung ist dass wir oft mal so einen Snapshot haben von den Leuten in einer bestimmten Situation, aber nicht wirklich wissen wie sich quasi diese Postdoc-Phase über die Zeit auch anfühlt.

00:05:20: Also wie die Leute lernen damit zurechtzukommen oder wie sie aus sich langsam, das merkt man ja auch so langsam distanzieren von diesem Willen weiter in der Wissenschaft unterwegs zu sein.

00:05:33: Sie haben sicher zwei Disziplinen im Vergleich angeschaut.

00:05:37: Sie Frau Serado Physik, wenn ich es richtig weiß und Herr Harman.

00:05:42: Sie haben sich das Fachgeschichte angeschaut.

00:05:45: vielleicht erstmal der ganz grobe Blick Herr Harmann.

00:05:48: gibt's da Unterschiede in den Wahrnehmungen in dem was sie erfahren rausgefunden haben?

00:05:57: Ja also Erstmal gibt es zwischen den beiden Disziplinen große Unterschiede.

00:06:02: Das ist der Grund, warum wir uns die beiden Diszipien angucken.

00:06:04: Also das ist sozusagen ein maximal kontrastiver Vergleich.

00:06:10: Der Rhythmus oder Tempo der Forschung ist sehr unterschiedlich.

00:06:12: Die Forschung in der Geschichtswissenschaft ist eher individuell.

00:06:15: In der experimentellen Teilchenphysik, die wir uns immer anschauen, findet Forschung einen großen Kollektiven statt.

00:06:22: und Obwohl der Vergleich so maximal kontrastiv angelegt ist, sehen wir eigentlich überraschend viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Fächern.

00:06:32: Wenn es darum geht wie mit den Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft umgegangen wird und auch wie Akteure in Wettbewerben sich engagieren oder nicht engagieren welchen Druck sie da verspüren und wie Sie mit diesem Druck umgehen.

00:06:46: also eigentlich sehen wir mit Blick auf Wettbewerbs-Engagement und Wett Bewerbssozialisationen überraschend viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Fächern.

00:06:56: Die Hauptgemeinsamkeit, wenn man sie möchte ist ja das Wett bewerb und es klingt zunächst einmal vielleicht wie so ein Widerspruch.

00:07:03: Sozialisierung bedeutet in dem Fall eine Sozialisationsinstanz wo man ja normalerweise sagen würde wettbewerk ist jetzt alles aber vielleicht nicht unbedingt etwas was mit dem Wort sozial verbindet Aber das ist schon interessant.

00:07:19: Also durch Wettbewerbe Frau Serano werden Werte vermittelt, müssen ja nicht immer nur unbedingt positive Werte sein die vermitteln werden.

00:07:31: Ja, tatsächlich.

00:07:32: Also eine unserer Hauptthesen ist dass jede Form der Wettbewerbsteilnahme eigentlich auch bestimmte Erwartungen mit sich trägt die sozialisierend sind und zwar in einer Phase in der sich die Menschen oftmals aus ein bisschen von dem eigentlichen, ich würde mal sagen so wissenschaftlichen Umfeld das sie während ihrer Promotionsphase genossen haben, das so ein bisschen auch schützend war, emanzipieren und somit eigentlich alleine da draußen stehen.

00:08:02: ihn stellt, der wege ich eigentlich damit um.

00:08:04: Und so ist jede Instanz in denen man tatsächlich um Publikationen versucht sich zu platzieren im Wettbewerb oder versucht tatsächlich Gelder zu aquiregen oder sich versucht auf eine Konferenz einzubringen.

00:08:17: Jeder dieser Instanzen ist ein Moment des Lernens und man lernt nicht nur Ich würde mal sagen, auf einer kognitiven Ebene damit umzugehen.

00:08:26: Sondern man lernt auch viel mehr was das eigentlich bedeutet am Wettbewerb teilzunehmen und vor allem auch welche Wertestrukturen in bestimmte Wett Bewerber eingelegt werden.

00:08:37: Und mag man meinen ja vielleicht ist die Essenz von Wett bewerbt ja Meretokratie.

00:08:43: Aber dass dem nicht so ist kann bestimmt der Julian erklären.

00:08:46: Ja und das gibt mir vielleicht auch die Gelegenheit nochmal auf eine Frage von ihnen zurückzukommen, Herr Viarder.

00:08:51: Die noch unbeantwortet geblieben ist nämlich was sind denn eigentlich wettbewerbsfähige Akteure, die so die Titel geben sind für unser Projekt?

00:08:57: Und wir meinen mit Wettbe werbsfähig nicht Akteuren, die irgendwann zum Erfolg verdammt sind und die das Erfolgsrezept sozusagen haben für alle Wett Bewerber sondern wett bewerbsfähig heißt in diesen dickigt verschiedener Wett be Werbe sich zurechtzufinden.

00:09:12: und dazu gehört auch ... zu wissen, wann man nicht teilnend an Wettbewerben... ... vielleicht zu priorisieren welchen Wett Bewert man wichtig findet und welche man unwichtig findet.

00:09:22: Und auch zu entscheiden, wann ziehe ich mich raus?

00:09:25: Wann ist es mir zu viel?

00:09:26: Auch das gehört zu wettbewebsfähigen Akteuren.

00:09:30: Also es geht nicht darum wett bewerbsförmig im Sinne von wettwärmsfähigem Sinne von Stromlimien förmig zu verstehen.

00:09:37: aber Nachfrage Hamman hat man in dem System, indem wir uns bewegen überhaupt die Wahl sich nicht an Wettebewerb zu beteiligen?

00:09:44: Sie haben gesagt, man trifft eine Entscheidung.

00:09:47: Geht das überhaupt oder ist die Karriere nicht sehr schnell zu Ende?

00:09:51: Wenn man eine wissenschaftliche Karrierei verfolgen will dann kann man das nicht unter völligem Verzicht auf Wettbewerb tun weil man sich wahrscheinlich irgendwann auf eine Stelle bewerben muss oder wahrscheinlich irgendwann mal was publizieren muss und dann hängt man schon drin in dem Wettbetrieb.

00:10:08: Also völliger Verzicht, nein.

00:10:10: Aber durchaus kann man sich zum Beispiel entscheiden, spezialisiere ich mich auf Drittmittel-Einwerbung?

00:10:18: Bin ich jemand der viele Projekte einwirbt?

00:10:20: oder bin ich jemand, der viel publiziert und ganz selten aber dann sehr selektiv und prästisch trächtig publiziert?

00:10:28: Bin nicht jemand, die sehr mobil ist oder sich an einem Ort etablieren will?

00:10:35: Die Art des Wettbewerbs-Engagements kann dann zum Beispiel ein Resultat strategischer Entscheidungen sein oder auch kontingenter Opportunitätsstrukturen sein.

00:10:47: Ist denn Wett bewerb jetzt etwas, Frau Serrano in der Gesamtschau?

00:10:51: Oder auch in ihrer Wahrnehmung was Schlechtes ist in der Wissenschaft für Postdocs?

00:10:58: oder ist es so dass sie jetzt sagen werden Es kommt drauf an und es kommt auf den Grad an Wett Bewerb an?

00:11:04: Wir hören ja viel auch in den Debatten, ich bin Hannah und so weiter dass wir mehr Verlässlichkeit brauchen.

00:11:11: Dass wir mehr Planbarkeit brauchen und Wettbewerb ist ja oft nicht planbar Und Wett Bewerb is auch unheimlich anstrengend und auch ermüdend.

00:11:20: also inwiefern das Wett bewerbt In ihrer Wahrnehmung auch des Projekts was Positives und wo gibt es vielleicht?

00:11:28: Das haben Sie wirklich gut beschrieben Herr Viada.

00:11:31: Also im Grunde genommen, das meinte schon Julian man kann sich dem Wettbewerb nur bedingt entziehen und es ist auch wirklich so dass wenn wir mit den Leuten reden wettbewerk jetzt nicht unbedingt etwas Schlechtes sein muss.

00:11:43: insbesondere die Naturwissenschaften oder die Physiker und Physikerinnen die wir interviewt haben haben ein sehr positives Bild von Wett Bewerb weil Wett bewerbt mit Fortschritt tatsächlich gleichgesetzt wird.

00:11:56: Man ist im Wettbewerb um gute Ideen.

00:12:00: Aber es gibt auch Aspekte des Wettbewerbs, die eben halt nicht angesprochen werden.

00:12:05: Das haben wir sehr oft gesehen in unseren Interviews.

00:12:08: Also wir haben viele Leute gesehen, die zum Beispiel Rivalität nicht angesprochen haben oder es sozusagen versuchen zu ignorieren damit sie im Alltag funktionieren können mit den Kollegen, der ja eigentlich sich auf dieselben Stellen bewerben und das ist schon ein bisschen ermüdend aber eine Praxis, die wir einfach durchhalten müssten.

00:12:27: weil Also Kollegen sind sozusagen auch jene, die sich entsprechend auf dieselben Stellen bewerben können wie ich.

00:12:35: Und ich sehe das gerade.

00:12:36: Ich bin ja gerade am Zähnen und mache eine Ethnografie an einem Department, das super bekannt ist in der ganzen Welt.

00:12:44: Wenn man sagt dass die Leute, die dahin durchgehen durch dieses Department Das sind Menschen, die bekommen definitiv eine Tenure Stelle.

00:12:51: Es ist so, wenn ich tatsächlich in diese Seminare gehe und diese öffentlichen Veranstaltungen nur um Physik geht es geht sozusagen eigentlich nun die Inhalte und was ist eine gute Idee.

00:13:00: Aber wenn ich die Tür hier auflasse von meinem Büro, dann merke ich wie sie vorbeigehen in der ganze Zeit über Drittmittelwettbewerbe, über die nächste anstehende Job Deadline sprechen, über CVs – das findet alles auf dem Floor statt!

00:13:14: Und das sind so Aspekte quasi, die die Wettbewert auch ausmachen und die dann entsprechend nicht wirklich als, ich würde sagen, Ungleichheitstruktur mitgedacht werden.

00:13:25: Was viele auch frustriert die entsprechend nicht dieselben Ressourcen haben um auf also sich den Wettbewerb hinein einzulassen.

00:13:33: Klingt ja fast auch ein bisschen schizofrehen.

00:13:35: Auf der einen Seite ist es so wir wollen vielleicht ... Wir sehen... Der Wett Bewerb tut uns gar nicht unbedingt nur gut.

00:13:43: gleichzeitig stecken wir aber auch so drin und irgendwie brauchen wir ihn auch.

00:13:47: Herr Hamann könnte man vielleicht sagen

00:13:49: Irgendjemand braucht Wettbewerb, also ich weiß nicht genau wer dieses Vier ist.

00:13:53: Der Wett Bewerb braucht... Also das System braucht wahrscheinlich auf jeden Fall so lange Wett-Bewerbe wie Ressourcen knapp sind und man einen Mechanismus zur Verteilung braucht.

00:14:04: Und ich würde auch Katja beiflichten dass wir nicht irgendwie weder wir noch die Postdocs die wir interviewt haben sozusagen prinzipielles Problem mit Wettbetwerb haben aus einer normativen Perspektive sozusagen.

00:14:16: aber eine sozusagen Problematik, die wir empirisch gesehen haben ist dass wenn Wettbewerbe multiple sind also wenn es verschiedene Wett Bewerbe gibt dann sind sie natürlich nicht miteinander koordiniert oder aufeinander abgestimmt und aus einer Sozialisationsperspektive die wir in unserem Projekt haben heißt das.

00:14:37: Dass die Anforderungen und die Erwartung die durch Wett bewerben entstehen und kommuniziert werden sich auch widersprechen können.

00:14:44: Und das haben wir in den Interviews erfahren, dass z.B.

00:14:46: Post-Doc's in Drittmittelwettbewerbe gelernt haben da relativ strategisch reinzugehen und zu sagen ich schreibe das in meinen Antrag was die Fördereinrichtung hören wollen.

00:14:57: Ich will das Geld haben und ich weiß was ich da reinschreiben muss um das Geld zu bekommen.

00:15:02: Und gleichzeitig wissen Sie oder haben sie gelernt, dass die in Stellenwettbewerben bei Berufung auf einer Professur ein authentisches eigenes originäres Profil haben sollen.

00:15:12: Das widerspricht sich dann damit, dass man einerseits so sehr strategisch den Fördeeinrichtungen erzählen soll was wollen Sie hören?

00:15:20: und andererseits muss man ein authentches Profil entwickeln.

00:15:24: Diese Widersprüche entstehen in diesen multiplen Dickicht von Wettbewerben und das ist dann auch aus einer systemischen Perspektive, glaube ich problematisch.

00:15:33: Weil die Widersprüche sozusagen individuell aufgelöst werden müssen oder aufgesprochen werden müssen.

00:15:38: Es ist ein

00:15:39: super wichtiger Punkt, Julian.

00:15:41: Und ich glaube das führt auch zurück zu diesem ersten Gedanken den wir mal anfangs erwähnt haben was jetzt eigentlich der Wert von Wettbewerb beziehungsweise weiche Werte werden vermittelt und eine der tiefkurdigen Aussagen ist es halt extrem abivalenten wie sie gesagt haben Herr Viada extrem ambivalent mit Blick auf das, was eigentlich Wettbewerb soll.

00:16:02: Nämlich diesen Leistungsgedanken und diesen Veritokratie-Gedanken irgendwo auch in unserer Organisation auszuführen, dass es eine besten Auslese gibt, dass sozusagen ein Stück weit Entscheidungen auf Qualität buchen.

00:16:16: Und das ist halt schwierig in einer Welt, wo sich so viele Menschen auf so wenige Stellen oder so weniger Ressourcen auch anfangen zu bewerben.

00:16:26: So dass oftmals der Kompass nach Norden Richtung sozusagen – Das hier ist Exzellenz und das hier ist Qualität habe ich die Sicherheit, dass wenn ich entsprechend so arbeite auch auf eine Tenure Stelle komme.

00:16:40: Dass der bröselt und das ist eben halt das was frustrierend wird und das is eben halt da's was auch viele Menschen emotional extrem stresst Das muss man auch sagen

00:16:53: Emotional extrem stress.

00:16:55: und es hat gewisse folgen.

00:16:56: nämlich eine weitere Erkenntnis aus ihrem Projekt ist, dass Die Karriere von Professorinnen und Professoren gar nicht mehr als so attraktiv angesehen wird unter Postdocs.

00:17:07: Traditionell hat man die Vermutung, dass das Ziel eigentlich von allen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist irgendwann die eigene Professur zu ergattern.

00:17:19: aber offenbar Frau Serrano ist es gar nicht so mehr.

00:17:24: Das war ein schockierendes Ergebnis Herr Viada.

00:17:28: Also jetzt wissen wir nicht, ist es tatsächlich so weil die Professorse unattraktiv geworden ist?

00:17:33: und es gibt halt viele Argumente, die genannt werden um zu sagen ja sie machen hier eigentlich keine Forschung mehr.

00:17:38: Die Professorinnen und Professoren und das ist nicht die Art wie ich arbeiten möchte, ist ja klar wenn man den Postdoc normalerweise recht frei ist seine Forschungszeit so zu gestalten wie man's gerne hätte auch immer natürlich viele auch Erwartungen erfüllen muss.

00:17:54: aber man kann auch sagen Also vielleicht nichts nicht zu sehr an der Unattraktivität des Professoren da sein, das kann ja sein.

00:18:01: Sondern vielleicht viel mehr daran, dass es eine Form von ich würde mal sagen Selbstüberzeugung oder Erwartungsmanagement ist die schon relativ früh ansetzt und zu sagen wie wahrscheinlich ist es, dass sich eine Professor tatsächlich finde gar nicht.

00:18:16: Deshalb versuche ich erst gar nicht sie zu erlangen oder so ist in der Art.

00:18:19: Und nun muss man sagen, das ist doch recht problematisch.

00:18:22: Oder wenn Menschen die tatsächlich jetzt mitten im Saft stehen der Forschung nicht in der Lage sind das als ein Ziel zu begreifen und sich darauf hinzu projizieren?

00:18:33: Ja haben wir daraufhin projiziere.

00:18:36: aber die Frage ist Wenn die Professorin Karriere Professorin karriere nicht mehr so attraktiv ist Wir reden ja von Akteuren ihr Projekt spricht von Aktheuren da müssten sie doch eigentlich auch aktiv Alternativen verfolgen und müssten sagen ich geh raus aus dem System, weil das System ist letzten Endes stichwort Dauerstellen auf Professuren ausgerichtet.

00:18:58: Trotzdem bleiben die meisten drin.

00:19:00: Ist das widersprüchlich?

00:19:01: Dass man einerseits sagt Ich will dieses Karriereziel gar nicht aber ich gehe trotzdem nicht raus aus der Wissenschaft.

00:19:10: Naja also sozusagen diese Abwendung vom Endziel der Professor ist ja kein... Das Interesse an der Wissenschaft.

00:19:19: im Gegenteil, also viele Postdocs mit denen wir gesprochen haben die lieben ihre Forschung.

00:19:24: Die brennen für ihre Forschungsgegenstände.

00:19:27: Die sagen nur vor mir aus wird es reichen sozusagen postdoc zu bleiben wenn wenn ich das auf einer entrisseten Stelle sein könnte Ich muss sozusagen ich muss für mich nicht durch diesen Flaschenholz durch und So.

00:19:42: das ist eher das Problem.

00:19:42: und jetzt kann man natürlich trotzdem die Frage stellen.

00:19:44: Also, ist es dann irgendwie rational angesichts des wissenschaftlichen Arbeitsmarktes sozusagen darauf ankommen zu lassen?

00:19:53: Und wir haben auch über Imagination also Vorstellungen des nicht-wissenschaftlichen Arbeitsmarkt mit Postdocs gesprochen.

00:20:02: Wie stellen sie sich eigentlich ihre Alternativen vor?

00:20:04: wie optimistisch sind die da?

00:20:06: Da gibt es übrigens Fächerunterschiede wo wir eben drüber gesprochen haben.

00:20:12: Die Physikerinnen haben recht genaue Vorstellungen davon, was sie außerhalb der Wissenschaft machen könnten.

00:20:19: Viele von denen können sehr gut programmieren.

00:20:21: Das heißt die haben einen realistischen Optimismus dass wenn es irgendwann mal nicht mehr klappt in der Wissenschaft dann werden die gut unterkommen.

00:20:31: und in der Geschichtswissenschaft ist nicht so ganz klar, was mich draußen erwarten würde wenn ich ausscheigen würde.

00:20:39: Das führt vielleicht auch dazu dass man in der Wissenschaft bleibt?

00:20:42: Das ist schon interessant weil da sind wir wieder im Thema Wettbewerb das heißt die Physikerinnen irgendwie einen anderen Hebel haben.

00:20:50: Die wissen sie können in einer Verhandlung auch wenn es um die Verhandlungen ihrer eigenen Zukunft angeht Was anderes in die Wagschale werfen nämlich zu sagen Wir müssen das hier in der wissenschaften nicht während bei HistorikerInnen vielleicht stärker das Gefühl da ist, ob ich will oder nicht.

00:21:07: Ich habe gar nicht so viele Alternativen Fragezeichen?

00:21:11: Ja, das ist exakt der sozusagen die Spannung, die die beiden Promovieren in unserem Projekt.

00:21:18: Tim Fengner und Jonas Gottschalk-Reilingen in einem Paper rausgearbeitet haben dass PhysikerInn sagen, ich mach' das...ich tue mir das hier solange an wie ich will und wenn ich keinen Bock mehr hab dann gehe ich halt in die Wirtschaft.

00:21:29: Und Historikerinnen bringen es eher auf den Punkt, dass sie sagen Ich halte das hier so lange aus, wie es irgendwie geht.

00:21:35: Und das ist sozusagen die unterschiedliche narrative Formen der das dann kommuniziert wird.

00:21:42: Ist natürlich sage ich mal jetzt für die private Berufszufriedenheit auch nicht die beste Einstellung wenn ich sage ich halt das hier solange aus wie's irgendwie geht und sicherlich auch nichts was der Qualität von Wissenschaft hilft Inwiefern vielleicht als Schlussfolgerung daraus Attraktivitätsverlust professoraler Karrieren?

00:22:03: Was wird denn gefordert, was wird erhofft.

00:22:06: Was erwartet man sich wie sich vielleicht das Wissenschaftssystem ändern könnte Frau Serrano?

00:22:14: Erforderung ist gut.

00:22:16: Was wir erfahren ist viel Kritik an der derzeitigen Situation gerade mit Blick auf langfristige Perspektive.

00:22:23: also ich glaube es ist das was die Leute am meisten herumtreibt.

00:22:28: Sie lieben ihre Arbeit, wie Julian gesagt hat sie würden gerne eigentlich bleiben so dieses... das Brummo was wir immer wieder sehen oder hören vielmehr in den Interviews ist I want to stay in science Und das ist sozusagen der Ausgangspunkt.

00:22:45: Konkrete Forderungen sind tatsächlich Forderung nach transparenten Karrierewegen, vor allem auch Forderungs nach dem Ausbau des Mittelbaus.

00:22:55: Also die Idee es gibt sozusagen langfristige Stellen jenseits der Professur.

00:23:02: Das ist eigentlich die Forderunge, die wir am ersten und am meisten immer wieder hören.

00:23:09: Also egal, in welcher Disziplin wir hier unterwegs sind.

00:23:13: Das mit der Transparenz finde ich total interessant was Sie ansprachen weil eigentlich ist ja Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb Transparens und ich habe logischerweise in Ihrem Forschungsprojekt nicht mitgemacht.

00:23:25: aber was ich oft von Postdocs höre es das ist gar kein fairer Wett Bewerb weil gar nicht die Regeln klar sind und weil gar nichts klar ist was muss sich investieren um am Ende ein bestimmtes Ergebnis zu bekommen.

00:23:40: Also könnte man sagen in der Wahrnehmung zumindest vieler Postdocs, die ich kenne haben wir gar keinen richtigen Wettbewerb.

00:23:48: Frau Serrano?

00:23:50: Ja das ist tatsächlich so ein bisschen das Narrativ was man herausbekommt eine Orientierungslosigkeit und das Gefühl dass die Regeln die tatsächlich noch zum Beispiel Weil der Führungskraft, dem PI, den Professor oder der Professoren tatsächlich noch gegolten haben nicht mehr für einen selbst gelten.

00:24:06: Und das ist so.

00:24:08: dieser Gap zwischen dem wie früher Karriere gemacht worden ist und wie jetzt die Karrierei erlebt wird.

00:24:13: Der ist immens.

00:24:14: Das bedeutet aber nicht dass es nicht gerecht vorgeht.

00:24:17: Also ich kenne hier beide Seiten, weil ich ja selber oft genug quasi rekrutiere oder mit Rekruten arbeite und sehe wie sie sich tatsächlich unglaublich viel Mühe geben die also bisweilen ununzähligen Unzähligenkandidatogen irgendwie durchzugehen.

00:24:33: Dieses Department wo ich derzeit bin hat ein hundert Bewerbung auf fünfzehn Stellen Und wenn man sich anschaut und anhört wie das dann tatsächlich abläuft mit welchen Beweggründen die Menschen glauben, tatsächlich an diese Bewertung zu gehen.

00:24:50: Dann würde ich schon sagen dass da ein meritokratischer Gedanke auf jeden Fall verankert ist und immer wieder auch das Gespräch darüber gesucht wird ja was rechtens ist und was nicht rechtens isst aber es ist eben schwierig zu bewerkstelligen.

00:25:04: wenn sie sevenhundertfünfundachtzig qualifizierten menschen sagen müssen Sie können's nicht sein

00:25:13: Na ja, dann kommt es einem irgendwann wie Würfeln vor.

00:25:15: oder wenn sie siebenhundert oder achthundert Menschen haben die alle irgendwie gut sind.

00:25:21: Und die Unterschiede sind ja oft in granularer Größe dass Sie dann halt irgendwie sagen müssen Ja ich könnte euch eigentlich fast alle nehmen aber Ich muss jetzt irgendwie begründen warum ich eben diese fünfzehn nehme.

00:25:33: Interessant?

00:25:34: Oder Herr Hammann?

00:25:34: gerne

00:25:35: Ja, ganz kurz zu einem transparenten und fairen Wettbewerb gehört ja auch nicht nur dass man die Regeln kennt das die Transparenzen sondern auch dass man weiß warum man erfolgreich war.

00:25:45: Und vor allen Dingen warum man es nicht geschafft hat und... Das ist ein großes Problem bei Berufungsverfahren, dass man also A irgendwie vielleicht nach einem Jahr mal erfährt dass man nichts im Zuge gekommen ist und B überhaupt nicht erfährt warum er nicht zum Zuge bekommen ist.

00:25:59: Und das ist ein großer Moment, ein wichtiger Moment der Intransparent von Stellenwettbe werben

00:26:05: Zumal wenn es darum geht, dass ich ja auch Wettbewerbe lernen möchte und lernen muss.

00:26:10: Da muss sich ja auch verstehen warum bin ich in einem Wett Bewerb nicht erfolgreich?

00:26:14: Wenn ich das nicht verstehen kann weil ich nicht die richtige Rückmeldung aus dem System kriege.

00:26:18: Weil vielleicht sage ich mache doch all die Paper Ich habe doch Drittmittel eingeworben.

00:26:23: Ich hab dieses Unionis Und trotzdem da entsteht dann Unsicherheit und das ist sicherlich das was auch viele mit mangelnder Transparenz verbinden Was Frau Serrano vielleicht eben gar nicht böser Wille isst der auswählenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, was aber System immer nennt ist.

00:26:42: Spannend finde ich darüber haben wir im Vorgespräch gesprochen dass die Arbeit selber, die Forschungsarbeit selber für einige der Beteiligten der Promovierenden zum Beispiel im Projekt eine gewisse Wirkung hatte, die mit Postdocs gesprochen hat mehr haben Vielleicht auch ein paar Rückschlüsse auf ihre eigene Zukunft gezogen haben.

00:27:09: Ja genau, also wir haben ja jetzt zu Beginn dieser Aufnahme darüber gesprochen was das für uns heißt die selbst mal Post-Docs waren und gleichzeitig haben viele der Interviews eben Tim Fengner und Jonas Gottschalkreiling geführt, die gerade promovieren und auf die diese Karrierephase möglicherweise noch zukommt.

00:27:31: Ich würde es mal so ausdrucken, auch für die beiden war das ein Sozialisations- und Lernprozess sehr authentische Einblicke über eine Karrierephase zu bekommen.

00:27:42: Und genau ich glaube dass sie beiden einen sehr realistischen Blick darauf haben wie die Karrierephase vor der Professur aussieht und wer weiß was es für deren Karrieren Entscheidungen heißt ums Mal so auszubrücken.

00:27:57: Na, es klingt irgendwie nicht so gut was deren Karriereentscheidung mit Verbleib in der Wissenschaft angeht.

00:28:02: Sie haben auch das Wort Komplizenschaft erwähnt, was sich ein Stück weit eingestellt hätte.

00:28:07: zwischen Interviewenden und Intervuten ist sowas den wissenschaftskonform eine Komplizenschaft zwischen Fragern und Beantwortenden?

00:28:17: Es kommt... Das kommt ein bisschen auf die Komplizenschaft ein und was genau damit gemeint ist.

00:28:21: Ich glaube, es ist vielmehr eine Vertrauensbeziehung, die sich etabliert wenn man Menschen so etwas Privates fragt weil das ja schon recht privat wirklich auch über Momente des Scheiterns zu reden.

00:28:32: sowas ist nicht etwas was man an die große Glocke hängt wenn man in der Wissenschaft unterwegs ist oder weil man über Rivalitäten spricht oder zum Beispiel auch emotionale Tiefgründe.

00:28:41: Und das ist ja das, was wir ansprechen.

00:28:44: und was wir halt gemerkt haben ist dass wir einen Sample haben von Leuten die relativ gut bei der Stange geblieben sind.

00:28:52: Das heißt also wir konnten sie wirklich über vier eineinhalb Jahre.

00:28:57: Es ist eher unüblich für eine solche Langzeitstudie und es liegt zum Teil daran, dass wir in diesen regelmäßigen Gesprächen eben halt vier Vertrauen aufgebaut haben.

00:29:07: Wir haben tatsächlich dann irgendwann auch gesagt gut also wir reden viel über Karriere lass uns doch irgendwann mal auch z.B.

00:29:13: über Emotionen reden.

00:29:15: Das haben wir dann in der dritten Welle gemacht, nachdem wir sie so zwei und ein halb drei Jahre wirklich auch schon kannten.

00:29:21: Und es hat sich bewährt weil zum Beispiel insbesondere Physiker würden es schwierig finden mit Menschen über Emotionen zu reden.

00:29:30: das ist jetzt nicht so wirklich Teil des Narratifs dass die im alltäglichen irgendwie leben und nutzen.

00:29:37: Wir sind hier eher in seiner objektivierten und objektiveerbaren Wissenschaft Und das war eben halt auch so ein Moment, wo man merkte.

00:29:44: Das geht nur, dass wir darüber reden als Wissenschaftler und sozusagen als Wissenschaftssubjekt weil wir eben halt diese ganzen Momente des Vertrauensaufborder vor hatten.

00:29:56: Weil wir in der Lage sind die Geschichte zu verstehen und die Leute sich auf Verstanden fühlen.

00:30:01: Ja ich würde sagen, das ist eine Form von Komplizenschaft, die wichtig ist um solche Langzeitstudien dann tatsächlich gut durchzuführen.

00:30:10: Dann machen wir vielleicht jetzt mal einen Blick nach vorne.

00:30:12: Das erste Teilprojekt ist vorbei, sie sind ins zweite Teil Projekt eingestiegen.

00:30:19: dieses Mal geht es um das Thema Internationalität im Wettbewerb Fremdheit und Übersetzung in Postdoc-Karrieren.

00:30:28: da sind Sie jetzt aktuell als Team dran.

00:30:32: Herr Hammann warum jetzt diese internationale Perspektive?

00:30:38: Ja, weil wir uns in der ersten Förderphase hat sich die ganze Forschungsgruppe eher auf den oder viele Projekte zumindest eher auf dem deutschen Kontext konzentriert und das muss natürlich eigentlich erweitert werden.

00:30:50: Weil Wissenschaften auch Karrieren in der Wissenschaft in unserem Fall international sind und deswegen haben wir in der zweiten Förderphase den Fokus ausgeweitet.

00:31:00: Und schauen uns Internationalität an, Internationalität ist ja auch eine Ressource im Wettbewerb also zum Beispiel eine Voraussetzung für erfolgreiche Karrieren.

00:31:10: Aber wir versuchen das Verständnis von Internationalität ein bisschen zu verkomplizieren, weil wir davon ausgehen dass internationalität erstmal hergestellt werden muss.

00:31:20: Also was heißt es eigentlich international zu sein?

00:31:23: Wie muss man Wettbewerbsregeln übersetzen in internationalen Forschungskontexten?

00:31:28: also wie kann ich der französischen Kollegin erklären, dass sich eine eigene Stelle bei der DFG eingeworben hat... Wie übersetzt sich das als Wettbewerbserfolg zum Beispiel?

00:31:38: Und solche Fragen untersuchen wir gerade.

00:31:42: Und da, Frau Serano, gibt es schon ... Wir haben darüber gesprochen, dass im ersten Teilprojekt wenige Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen waren, zwischen Geschichtswissenschaft und Teilchenphysik oder Physik insgesamt.

00:31:57: Aber Sie haben vorhin erzählt, sie sind ja gerade auch am Zern.

00:32:02: mit internationalen Kontext scheint es doch zwischen Physik und Geschichtswissenschafts einige Unterschiede zu geben, oder?

00:32:12: Aber aha ja.

00:32:14: Und was für welche?

00:32:15: also?

00:32:15: tatsächlich ist so dass wir auch wieder dieses komparative Design in dieser Phase beibehalten und wir gucken uns zwei Institutionen an die quasi Internationalität herstellen.

00:32:27: das ist das CERN wo ich derzeit bin und Julian guckt sich das EUI in Florenz an Und das sind eben also zwei Organisationen, die auf dem internationalen Arbeitsmarkt positioniert sind.

00:32:39: Also nicht irgendwie im nationalen System sondern ein Stück weit darüber und wir schauen uns an was wird da genau gemacht?

00:32:46: Das ist extrem interessant weil es in der Geschichtswissenschaft wirklich eine Form von Distinktion ist international unterwegs zu sein und dieses EUI auch ein klares Eliteverständnis von Internationalität vekuliert während des Samzern eine absolute Normalität ist.

00:33:02: Also Physikerinnen und Physiker, die irgendwie in großen experimentellen Projekten unterwegs sind, sind alle international – sie denken nicht mehr mal national!

00:33:12: Und das sieht man in den alltäglichsten Praktiken.

00:33:15: Und trotzdem ist es so Herr Viada, dass wenn ich hierher gehe und mich einmal durch dieses wuselige zusammenhängende Forschungskonglomerat quasi durch ethnografieren, dann merke ich schon, dass es – obwohl die alle sagen, sie sind so… transnational schon, dass es dann doch feine Unterschiede gibt.

00:33:38: Und das merkt man zum Beispiel an den Bezahlungen, den Gehältern die eben halt nicht für Schweizer Verhältnisse ausgerichtet sind sondern sich immer in den nationalen Verhältnissen quasi ausrichten und somit auch unterschiedliche Möglichkeiten der Belegschaft auch sorgen.

00:33:57: Das sehe ich daran, dass bestimmte Departments gibt, die einen extrem symbolisch aufgeladenen Charakter haben, also von denen man weiß, wo man damals war.

00:34:07: Dann wird es was und Großprojekte in denen man vielleicht eher keine Visibilität hat.

00:34:13: Es gibt auch an Orten wie das Zern, dass von außen immer diesen Wow-Zerneffekt Faktor hat.

00:34:19: ja Auch dort gibt es Ungleichheiten Die sind zum Teil systemisch, da können jetzt die Leute dafür das ganze Fügen natürlich.

00:34:29: Aber zum Teil ist es auch interessant wie damit umgegangen wird und dann trotzdem versucht wird so eine Kultur der internationalen Gleichwertigkeit oder das Equal Opportunities oder sozusagen der Egalität zu leben.

00:34:49: Das finde ich total spannend mit diesem Versuch, Egalität zu leben.

00:34:52: Da haben wir vorhin auch darüber gesprochen dass man im Wettbewerb irgendwie merkt man ist in der Rivalitätssituation und man ist gleichzeitig auch Kollege und Kollegen und man versucht das irgendwie übereinzubringen.

00:35:01: die ganze Zeit da haben wir drüber gesprochen und hier ist es ein bisschen auch so.

00:35:06: Es sind deutliche Unterschiede sagen sie haben es beschrieben allein schon von den Einkommen her von den Umständen her dem persönlichen.

00:35:13: und doch will man gerne so vielleicht auch eine Illusion von Egalitet Erzeugen.

00:35:18: und ja man vielleicht können sie die Perspektive der Geschichtswissenschaften ergänzen an der Stelle.

00:35:24: Spannend ist, wenn ich die These richtig verstanden habe in der Physik, ist man ohne internationale Dimension im Lebenslauf in der eigenen Forschung eigentlich abgehängt, wenn man so möchte?

00:35:37: Und in der Geschichtswissenschaft ist es schon noch irgendwie extra was Besonderes, wenn Sie internationale Erfahrung haben!

00:35:47: Stimmt das so?

00:35:49: Ja, das kann man so sagen und ich meine die Unterschiede fangen ja schon da an dass die Forschungsgegenstände in der Geschichtswissenschaft irgendwie national kulturell eingebettet sind.

00:35:59: Also wenn ich keine Ahnung über die Geschichte der Luftfahrt im Südostasien forsche dann muss sich auch mein Forschungs Gegensatz um eine Forschung erst mal übersetzen Wenn man dieses Problem sozusagen versucht, experimentellen Teilchen Physiker in zu vermitteln und das macht überhaupt keinen Sinn.

00:36:15: In dieser Disziplin zu sagen der Forschungsgegenstand ist irgendwo eingebettet.

00:36:21: Der hat keine nationale Komponente.

00:36:22: und das geht dann weiter über die Sprache, in der publiziert wird dass es in der Geschichtswissenschaft eine strategische Frage, eine Frage von Sprachkompetenzen auch eine Frage Inwiefern mache ich meine Forschungsergebnisse, um beim Beispiel Südostasien zu bleiben auch verstehbar und kommunizierbar für den Forschungskontext in dem ich gearbeitet habe.

00:36:44: Also publiziere ich vielleicht auch in nicht kolonialen Sprachen sozusagen.

00:36:50: In der experimentellen Teilchenphysik also stellt sich auch diese Frage nicht.

00:36:54: da wird natürlich auf Englisch publiziert und es geht auch nichts inhaltlich verloren weil der Gegenstand nicht übersetzt werden muss.

00:37:00: und dann als letzter Punkt Institutionell geht der Unterschied dann so weiter, dass am European University Institute die Wettbewerbsregeln von denen wir eben gesprochen haben sozusagen als Strategie des EOI transparent gemacht werden und explizit vermittelt werden.

00:37:19: Das heißt es gibt eine Reihe von Workshops wo Postdocs in ein Raum gesetzt werden und geschult werden.

00:37:26: wie kann ich europäische Drittmittel einwerben.

00:37:29: Wie schreibe ich meinen Antrag?

00:37:31: Was muss ich da reinschreiben?

00:37:32: und da kommt wieder sozusagen der Gedanke eines exzellenten Selbstverständnisses, wo man sich darum kümmert dass die internationalen Post-Docs auch erfolgreich

00:37:42: sind.".

00:37:43: Das finde ich nochmal eine ganz spannende Frage auch gegen Ende unseres Gesprächs inwiefern dieses Lernen von Wettbewerb, von Multiplimwettbewerk etwas ist was implizit passiert Einfach durchs Erleben oder inwiefern das Postdoc auch und Sie haben gerade ein Beispiel genannt Herr Hammern explizit vermittelt wird.

00:38:03: In Form von Wettbewerbsstrategien vielleicht umso zu sagen, ist es im weiten Teilen der wissenschaftlichen Sozialisation so dass das einfach irgendwie so nebenbei passiert?

00:38:15: Oder wird der Wett Bewerb an welchen Stellen wird er sonst noch explizIT gemacht?

00:38:24: Mein Eindruck ist, dass das Lernen von Wettbewerbsregeln eher implizit und abläuft und weniger explizit.

00:38:32: Also die Sozialisationsinstanzen dann in unserer Theorie Sprache, die es gelbe könnten ja zum Beispiel Vorgesetzte sein oder Betreuerin oder auch die berüchtigte Postdoc Appreciation Week dies an deutschen Hochschulen gab ... wo Post-Ox, also das explizite Ziel ist Post-Docs Wettbewerbsfähig zu machen und dann vielleicht in dem Sinne dass sie erfolgreich sind.

00:38:56: Und solche institutionellen Angebote ja werden eher sporadisch genutzt, ist unser Eindruck... ...und auch sozusagen die strategische Vorbereitung durch Betreuer... ...die findet in Einzelfällen statt.

00:39:09: aber... Das ist kein systemisches Phänomen sozusagen, sondern es ist eher so dass man von Piers auf Augenhöhe.

00:39:16: Von anderen Postdocs lernen sich da austauscht und voneinander lernen.

00:39:21: das ist vielleicht eher der Fall.

00:39:27: Diese Postdoc Appreciation Week, die macht mich immer so wütend.

00:39:30: Warum braucht man eine Appreciation week für Postdocs?

00:39:33: Ich meine ist das die einzige Woche wo man sie tatsächlich sieht.

00:39:36: also manchmal fühlt es sich an und wir haben ja in dieser zweiten Phase auch tatsächlich versucht uns mit Coachingangeboten und Seminaren der Universitäten nicht nur wirklich national auch mal ein bisschen auseinanderzusetzen.

00:39:51: unterschiedlichen Standorten waren wir und wir sehen quasi dass da viel viel passiert.

00:39:56: aber Problem ist, das ist natürlich nicht disziplin spezifisch.

00:40:00: Also die Leute lernen etwas sehr grobes über Wettbewerber aber können das nicht wirklich in ihre eigenen Handlungsweisen übersetzen.

00:40:09: und tatsächlich ist es nach wie vor würde ich sagen dieses absolut richtig gesagt Julian dieses peer-to-peer was unersetzbar ist.

00:40:17: und da wären wir wieder bei dieser komplett ambivalenten Situation dass man eigentlich am meisten von denen lernt mit denen man tatsächlich in einem Wettbewerb steht.

00:40:30: Paradox und vielleicht aber doch auch wiederum in anderen Berufsfeldern gar nicht so anders, wo man auch ständig natürlich im Wett bewerbt steht um die gleichen Ziele, die gleichen Ressourcen.

00:40:42: an der Erkennung auch oft und dann aber doch als soziales Wesen dass wir Menschen sind dann doch gleichzeitig viel voneinander lernt manchmal mit Absicht oft aber einfach So nebenher.

00:40:54: vielen herzlichen dank schon mal frau sirano.

00:40:57: herrmann.

00:40:57: am ende stelle ich immer eine wiederkehrende frag an alle meine gesprächspartnerinnen und gesprachspartner.

00:41:04: Aus ihren beiden teilprojekten im abgeschlossen dem was jetzt läuft, was ist für sie vielleicht ein besonders greifbares beispiel dafür das mutibler wettbewerb in der praxis sichtbar wird unter all denen die sich nennen können welches es für sie ein besonderes greifbare konkretes beispiel frau serano

00:41:26: Also ein ganz konkretes Beispiel für Multiplenwettbewerb.

00:41:35: Multipl ist da nicht, aber das ist also ein Beispiel, dass mich sehr geprägt hat in der frühen Phase wo wir unterwegs waren und es war ein Interview, das wir geführt haben mit einer Physikerin.

00:41:45: Und sie beschrieb eine Situation, die Physiker jeden Morgen tatsächlich erleben und zwar schauen Sie sich das sogenannte Archive an.

00:41:53: Es ist da wo die ganzen Publikationen einmal durchmüssen bevor sie publiziert werden.

00:41:58: Das ist ein Repositorium aber es ist da, wo die neuste Forschung tatsächlich einmal publiziert wird und veröffentlicht wird Und das ist da wohl auch sozusagen so ein bisschen der Raum, der Ideen abgesteckt wird.

00:42:10: Da ich war... Das ist meine Idee.

00:42:12: Diese Idee hatte ich als Erste und deshalb ist es so wichtig.

00:42:15: Und jeden Morgen gucken sich diese Physiker quasi einmal die Newsletter vom ARK an gehen bis hundert Titel durch und gucken sich an.

00:42:23: Also was ist sozusagen der Neues?

00:42:25: Und sie beschrieb die Situation als eine, in der Sie den Eindruck hätte, Sie müsste alles verstehen, was in diesem Archive publiziert wird.

00:42:33: Und dass Sie das jeden Morgen also eine Routine, die jeder wirklich auch mitnehmen muss, als eine unglaubliche stressvolle Zumutung empfand.

00:42:42: Ich glaube wenn man den Tag so startet, sagt es doch einiges darüber aus wie wir tatsächlich als Bewerb erleben oder?

00:42:49: Auf jeden Fall!

00:42:50: Auf jeden Fall, Herr Hammann.

00:42:54: Ja vielleicht zwei ganz kleine Beispiele für Multiplizität.

00:42:57: Das eine war ein Historiker der gesagt hat als wir ihn gefragt haben was sind da die letzten großen Erfolge gewesen?

00:43:04: Da hat er gesagt also unter anderem habe ich jetzt einen Sonderheft einer Fachzeitschrift mit heraus gegeben.

00:43:09: und Ich hab das gemacht weil ich gesehen habe dass das eine Lücke auf meinem CV ist.

00:43:15: Und das heißt es werden strategisch bestimmte publik... Publikationen angegangen, um sie auf den CV schreiben zu können und dann wiederum in Bewerbungssituationen reagieren zu können.

00:43:25: Das ist ein Beispiel für Multiplizität.

00:43:27: und das andere physiker der gesagt hat also ich bin in meiner arbeitsgruppe bin ich irgendwie zum spezialisten für drittmittel anträge geworden.

00:43:37: Und das heißt, ich schreibe federführend die Anträge für die ganze gruppe und das führt aber dazu dass sich wenig zeit habe zu publizieren und wenig Zeit haben für die leere.

00:43:45: und ich muss mich auf die dritte konzentrieren.

00:43:47: auch das ist multiplicität.

00:43:49: Dass man sozusagen Dass man weiß, eigentlich müsste man in verschiedenen Spielen mitspielen.

00:43:55: Aber aufgrund zeitlicher Ressourcen muss man sich konzentrieren auf einen Wettbewerb.

00:44:01: Zum Wohlaller!

00:44:01: Das war eine neue Folge des Podcasts zur Arbeit der DFG Forschungsgruppe Multipler-Wettbewert beim Hochschulsystem diesmal mit Katja Serano und Julian Hamann.

00:44:10: Schauen Sie gerne auch auf die Website des Teilprojekts wenn sie über den Stand der Forschung informiert sein wollen und ansonsten schalten Sie doch gern wieder ein zur nächsten Folge unseres Podcasts.

00:44:22: Bis dahin sage ich alles Gute

00:44:24: und auf Wiederhören!

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